Agni Verdauungsfeuer

Agni ist ein thermisches Prinzip, das die Transformation von Nahrung in Körperstruktur bewirkt.

Agni ist unser Lebens- und Verdauungsfeuer und hat im Ayurveda eine absolut zentrale Bedeutung. Nach ayurvedischem Verständnis beruht jede Erkrankung auf einer Störung von Agni.

Seinen Hauptsitz hat Agni im Oberbauch und wird von Pitta produziert (ist aber nicht mit Pitta gleichzusetzen). Agni ist aber nicht nur dort aktiv, sondern wirkt als essentielles Lebensfeuer in jeder Zelle und ist für alle notwendigen Lebensfunktionen absolut relevant.

Alle Umwandlungsprozesse im Körper – sowohl die aufbauenden, anabolischen wie auch die abbauenden, katabolischen – werden auf das Prinzip der Hitze zurückgeführt. Funktioniert das Agni gut, erfreut sich der Mensch bester Gesundheit. Wenn das Agni nicht richtig „brennt“, entstehen Krankheiten. Besonders wichtig: Agni bestimmt die Stärke und Qualität, wie Agni die verschiedenen Gewebe des Körpers nährt. „Neben den drei Doshas Vata, Pitta und Kapha, ist Agni das vierte funktionale Prinzip in unserem Organismus.“*1

Die gesamte Ayurveda Therapie stützt sich auf diesen Prozess der Transformation von Nahrung in Gewebe (Dhatus – parinama)!

Die klassische Ayurveda Literatur unterscheidet drei Agni Unterarten:

1 – Jatharagni: hier findet der erste Kontakt von Agni zum Nahrungsbrei statt. Dieses Agni befindet sich im Bereich Magen, Leber und Zwölffingerdarm bis zum Ende des Dünndarms. Das Jatharagni kann ausgeglichen, zu schwach oder zu stark sein. Es ist verantwortlich für die primäre Verdauung und Resorption aller Nahrung, der Trennung von Nähr- und Abfallstoffen, es kontrolliert die Sekretion, kontrolliert alle anderen Agni Arten, kontrolliert alle Pitta Arten und reguliert indirekt die Quantität und Qualität der Körpergewebe (Dhatus).

2 – Buthagni: zersetzt den Nahrungsbrei in die fünf Elemente Raum, Feuer, Luft, Wasser, Erde. Buthagni befindet sich in jeder Zelle. Es ruft die Eigenschaften der und sinnlichen Eindrücke von Nahrung hervor: Hörbarkeit, Tastbarkeit, Sichtbarkei, Geschmack und Geruch wahrnehmbar durch die fünf Sinne

3 – Dhatvagni: sind die sieben Gewebefeuer und dieses Agni ist verantwortlich für den Gewebestoffwechsel. Ein jeweils spezifisches Dhatvagni wandelt die bereit gestellten Stoffwechselprodukte in die Substanzen um, die das entsprechende Gewebe für den Aufbau neuer Substanz benötigt. Es entstehen die sieben Dhatus, die strukturellen Bestandteile des menschlichen Körpers.

Agni Verdauungsfeuer wird in vier Zustände unterteilt:

1 – Samagni: ein ausgewogenes Agni, das normal arbeitet. Weder zu stark, noch zu schwach. Gesunde und konstitutionsgerechte Nahrung wird ohne Probleme verdaut. Die Haut hat eine gesunde Farbe, der allgemeine Gesundheitszustand ist gut, die Augen strahlen, der Körper ist kraftvoll, Lebenskraft und Immunität (Ojas) funktionieren gut. Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten (Bala) ist präsent. Begeisterungsfähigkeit, Lebensfreude und Energie sind spürbar. Das Gedächtnis ist gut.

2 – Visamagni: das Agni arbeitet unregelmäßig. Gesunde, konstitutionsgerechte Nahrung wird mal gut, mal schlecht verdaut. Wird von zu viel Vata verursacht. Typische Symptome sind Blähungen, kolikartige Schmerzen und ein aufgedunsener Bauch. Empfehlenswert sind süße, warme Speisen, gutes Kauen und Entspannungsübungen vor dem Essen.

3 – Mandagni: das Agni ist schwach. Die Ernährung kann zwar ausgewogen sein, die Nahrung wird aber nicht gut verdaut. Symptome wie Schweregefühl und Appetitlosigkeit können auftreten. Wird von zu viel Kapha verursacht. Ein schwaches Agni erzeugt Ama, Schlacken, ein Stoffwechselprodukt, dass vom Körper nicht genutzt werden kann. Abhilfe können hier frisch gekochte Nahrungsmittel schaffen, die ruhig mit scharfen Gewürzen gewürzt sein dürfen. Ein verdauungsfördernder Trunk aus Ingwer, Salz, Cumin und Rohrzucker sowie die Einhaltung der Pausen zwischen den Mahlzeiten sind entscheidend für eine bessere Nahrungsverwertung.

4 – Tikshna: das Agni arbeitet zu stark und zu schnell und zum Teil unvollständig. Kann zu Gewebeabbau führen. Wird von zu viel Pitta verursacht. Kann zu Übersäuerung, Magenreizungen oder Durchfall führen. Es empfiehlt sich, auf saure, scharf gewürzte Speisen zu verzichten und statt dessen kühlende Gewürze, Getränke und Speisen wie Gurke, Banane, Rosenwasser oder Koriander zu sich zu nehmen.

Im Ayurveda wird gesunde und bekömmliche Nahrung immer auf die Verdauungskraft – der Stärke des Agni der jeweiligen Person abgestimmt.

Nahrung, die unser Verdauungsfeuer nicht ausreichend „gekocht“ hat, wird Ama genannt. Ama sind Rückstände, Schlacken, die den Körper belasten. Sie finden keinen Eingang in den Stoffwechsel und Energiekreislauf unseres Körpers und können auf allen Ebenen entstehen (Jatharagni, Buthagni, Dathvagni). Ama hat Eigenschaften, die Agni genau diametral entgegengesetzt sind. Ama ist kalt, feucht, schwer, trübe, übel riechend, klebrig, unrein. Viele ayurvdische Therapien haben das Ziel, den Körper von Schlacken zu befreien. Typische Beschwerden als Folge von Ama sind Übergewicht, Steifheit, Faulheit, Rheuma, Arthrose, Hauterkrankungen, Allergien, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Agni Verdauungsfeuer ist dafür verantwortlich, den Körpergeweben die notwendigen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, Giftstoffe auszuscheiden und uns Menschen mit einem klaren Geist und einem strahlenden Sein auszustatten. Damit Agni in ausgeglichenem Maß entstehen kann, ist wiederum ein Gleichgewicht der drei Doshas erforderlich. Ist dieses Gleichgewicht nicht vorhanden, entstehen drei der vier oben genannten Agni-Störungszustände.

Ein paar Tipps zum Agni Ausgleich:

  • alle Mahlzeiten gut kauen
  • morgens vor 11h nichts essen
  • kleine Mahlzeiten essen
  • warmer Ingwertee schluckweise trinken
  • kurzzeitiges Fasten
  • scharfe Gewürze wie Chillie und Pfeffer verwenden, (nicht bei zu hohem Pitta!)
  • Hingvashtaka Churna eignet sich gut für Vata bedingte Agni Störungen. Vor dem Essen einnehmen.
  • Trikatu ist eine wirkungsvolle Mischung aus drei Pfeffern: Piper longum, Piper nigrum und Zingiber. Mit Honig einnehmen.
  • Triphala Churna ist mild entgiftend, bewegt den Darm von innen, erhöht das Agni und öffnet die Srotas. Es leitet indirekt Ama aus.

Der gesamte Stoffwechselprozess ist wesentlich komplexer, als ich ihn hier verständlich und kurz darstellen kann. In meinen Ayurveda Koch Kursen, die ich ab Frühjahr 2018 geben werde, können wir gerne noch tiefer in die Thematik einsteigen!

*1: Ayurveda heilt, Ernährung als Medizin, Kerstin Rosenberg und Prof. Dr. Tanuja Neasri, S. 10f. Südwest Verlag, 2105.

Agni Verdauungsfeuer

 

Leave a Reply